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Seidenstraße, Dschinghis Khan und Zuckerwatte Eis – 5 Monate Weltreise

Wir sind unterwegs. Seit 165 Tagen. Zu Fuß, auf Schienen, über Wasser, mit Ersatzreifen, auf Pferde- und Kamelhufen. 10 Länder – oder zumindest Teile davon – haben wir bereist und wir sind uns bereits jetzt einig: Diese Route würden wir immer und immer wieder so bereisen. Am liebsten direkt jetzt wieder rückwärts. Und dann noch einmal von vorn. Und wenn wir uns dann entscheiden müssten, wo unser Herz hängen geblieben ist: Wir könnten es nicht. So unglaublich spannend und einzigartig, war jedes dieser Länder. Ein paar Highlights gibt es aber schon. Und diese wollen wir gerne mit euch teilen und unter Umständen sogar auf den Geschmack bringen eines dieser Länder zu bereisen.

Georgien

Georgien ist ein traumhaftes Reiseland. Egal in welcher Region, überall zeigen sich unglaubliche Landschaften, interessante Städte, leckeres Essen und freundliche Menschen.

Der Höhepunkt unserer Reise war aber mit großen Abstand die Reise in die Berglandschaft von Svanetien. Weil wir schon vorab die tollsten Fotos aus der Region gesehen haben, planten wir eine Woche für Svanetien ein. Genug Zeit also um zu Wandern, lecker zu Essen und die Seele baumeln zu lassen. Die ersten Tage verbrachten wir in der Hauptstadt der Region, Mestia. Von hier aus starteten wir 2 tolle Tageswanderungen. Danach zog es uns zum Juwel Svanetiens: In das abgelegene (und im Winter sogar abgeschnittene) Bergdorf Ushguli. Hier sagen sich Hase und Igel gute Nacht und genau das macht es so reizvoll. Was hier zählt ist: Wandern, Nichtstun, Ausblicke genießen. Und das haben wir getan.

Ushguli Shkhara Gletscher Wanderung

Gletscherwanderung in Ushguli

Mehr zu Georgien:

Tiflis – Tipps und Highlights
Georgien – Unsere Highlights
Weltreisetagebuch: Ab in die Berge

Aserbaidschan

Aserbaidschan war eines unserer vier Durchreiseländer (Lettland, Aserbaidschan, VAE – Dubai, Südkorea). Wir haben deswegen nur ein paar Tage in Baku verbracht und den Rest des Landes nicht erkundet.

Eine wirkliche Vorstellung von der aserbaidschanischen Hauptstadt hatten wir nicht. Umso mehr Freiraum besaß Baku, um uns zu überraschen. Und das tat es. Die Stadt ist unglaublich modern, pflegt aber ihre Traditionen. Die Altstadt Bakus ist daher ein absolutes Schmuckstück. So schön und orientalisch, dass es uns jeden Tag wieder dort hinzog.

Baku Altstadt triftt auf Moderne

Alt und Neu harmonieren in Baku

Das für uns wahre Highlight wartete aber knapp 50 Kilometer von Baku entfernt: Der Nationalpark Quobustan. Hier befinden sich neben einer unglaublichen Landschaft Höhlenmalereien, die erst in den 1930er Jahren entdeckt worden sind. Sowas hatten wir bis dahin noch nie gesehen und beim Anblick der Zeichnungen fiel mir einfach nur die Kinnlade runter. Pure Faszination. Dieser Ort war magisch.

quobustan aserbaidschan höhlenmalereien

Höhlenmalerei in Quobustan

Quobustan Landschaft Aserbaidschan

Nicht nur die Malereien sind beeindruckend, sondern auch die Landschaft.

Iran

Unumstritten sind im Iran die Menschen der Höhepunkt unserer Reise gewesen. Die Iraner sind die Könige der Herzlichkeit, Gastfreundschaft und Empathie.

Aber auch die Städte können was. So wie unsere zwei liebsten: Tabriz und Yazd.

Tabriz liegt im Norden des Landes. Touristen sind hier rarer, als sie es ohnehin schon im Iran sind. Und genau deswegen kann man sich teilweise keine 5 Zentimeter bewegen ohne ein nettes Gespräch, eine Fotosession oder ein Küsschen auf die Wange. Dies gilt besonders im El Goli Park. Ein beliebtes Ausflugsziel der Iraner. Da die Stimmung hier ohnehin schon gelassen ist, sind die Berührungsängste hier auch relativ klein. So kommt es dann auch, dass schon mal die eine oder andere kritische Äußerung über die Regierung fällt. („Wir beneiden euch europäische Frauen darum, dass ihr dieses beengende Kopftuch nicht tragen müsst und frei seid.“ sprachen die alten Damen, zuppelten liebevoll an meinem Kopftuch und gaben mir ein Küsschen auf die Wange.) Ja und nun schreibe ich doch wieder über die Menschen. Dabei sollte eigentlich Kandovan im Vordergrund stehen. 55 Kilometer von Tabriz entfernt liegt das beeindruckende Felsendorf. Ein kleines Kappadokien. Hier leben rund 1.000 Menschen in Wohnungen die in den Fels geschlagen worden sind. Dicht an dicht reihen sich die Höhlenhäuser aneinander. Ein surreales Bild.

Kandovan Iran Felsendorf

Felsendorf Kandovan

Der Ausflug nach Kandovan sollte übrigens unbedingt mit einem Picknick am nahegelegenen Fluss verbunden werden. Die Iraner lieben ihr Picknick und jeder freie Zentimeter Natur wird dafür auch genutzt. Wer selber nichts dabei hat, wird eben eingeladen. Und als Tourist sowieso.

Als schönste Stadt auf unserer Iran Reise wird uns Yazd in Erinnerung bleiben. Die Wüstenstadt wurde an einer einstigen Oase gegründet. Lehmbauten, Windtürme, antike Wasserkanäle (Quanate) und eine pittoreske Altstadt zeichnen das Bild der Stadt. Die Uhren ticken hier anders als im Rest des Landes. Ruhig und gemütlich geht es hier zu. Zur sommerlichen Mittagszeit ruht das Leben. Zum Abend blüht es auf den vielen Dachterrassen der Altstadt auf. Und so haben auch wir es uns gut gehen lassen. Mit Pizza, kalten Apfel-Minz Cocktails und einen unglaublichen Ausblick auf die Lichter der Stadt.

Blick über Yazd Iran

Blick über die Wüstenstadt Yazd

Hier haben wir es uns jeden Abend gut gehen lassen. 🙂

Mehr zum Iran:

Eigentlich wollten wir uns nur eine SIM Karte kaufen gehen…

Usbekistan

Was für eine Überraschung Usbekistan doch war. Lange Zeit hatten wir überhaupt gar keine Vorstellung von dem Land. Dann, nach ein paar Mausklicks (zum Beispiel bei Ilona vom Reiseblog Wandernd), wussten wir immerhin was für wunderschöne persische Bauten auf uns warten würden. Aber niemand hatte uns von den Menschen erzählt. Wie wunderbar freundlich, herzlich und liebenswürdig sie sein würden. Anders zwar als im Iran, ohne Küsschen und so…., aber genauso ins Herz gehend.

So fühlten wir uns auch von Anfang an wohl in Usbekistan. Vor allem in Bukhara.

Bukhara besitzt einen ähnlichen Charme wie Yazd. Die Altstadt ist nicht nur wunderschön, sondern herrlich gemütlich. Keine Autos, keine Hetze… Überall lässt es sich entspannen. Bei einem leckeren Tee und traditionellen Somsas (gefüllte, im Lehmofen gebackene Teigtaschen) am besten im Herzen Bukharas am Lyab-i-Hauz, einem künstlich angelegten See.

Usbekistan Buchara Lyab-i-Hauz

Im Herzen Bukharas.

Auch architektonisch hat Bukhara einiges zu bieten. Unsere große Liebe war dabei das Kalon Minarett. Ein magischer Ort. Das schönste Gebäudensemble auf unserer bisherigen Reise. Hier saßen wir beinahe jeden Abend bis zum Sonnenuntergang. Das war auch deswegen so schön, weil nur noch wenig andere Seelen umherirrten und dieser Platz ein magischer Ruhepol war.

Usbekistan Kalon Minarett

Kalon Minarett

Kirgistan

So schön all die Städte, Moscheen und Minarette auch waren: Wir sehnten uns nach Bergen und Seen. Wir sehnten uns nach kristallklaren Nächten unter der Milchstraße, nach frischer Luft in den Lungen, müden Beinen von kilometerlangen Wanderungen und kitzelndem Gras unter den Füssen.

Wir bekamen all das was wir wollten in Kirgistan.

Obwohl es uns überall gut gefallen hat, waren unsere Tage im Altyn Arashan Tal ein echter Höhepunkt. Schon die 16 Kilometer lange Wanderung ins Tal, war eine Wohltat nach so vielen Wochen in den (heißen) Städten. Der Fluss, dem wir viele Kilometer weit folgten, sorgte für Erfrischung, die Berglandschaften um uns für herrliche Aussichten.

Blick aufs Altyn Arashan Tal Kirgistan

Altyn Arashan Tal

Im Tal angekommen konnten wir uns endlich einen lang ersehnten Wunsch erfüllen: Wir schliefen in einer Jurte. Ausgestattet mit einem Doppelbett und dicken Decken war das sogar ziemlich gemütlich.

Den buchstäblichen Höhepunkt unserer Zeit in Altyn Arashan erlebten wir dann mit der Bezwingung des Ala Kul Passes und dem majestätischen Blick auf den gleichnamigen türkisblauen See.

Endlich oben! Ala Kul See

Mehr zu Kirgistan:

So schön ist Kirgistan

Mongolei

Öde, weite Landschaften? Steppe soweit das Auge reicht? Flaches, unendliches Land?

Die Mongolei kann so viel mehr als das. Wunderbar, wenn man mit keinerlei Erwartung und ohne große Recherche in ein Land fährt und dann so überrascht wird.

Selbstverständlich gebührt diesem wunderschönen Land ein gesonderter Artikel. Deswegen folgt an dieser Stelle nur der Moment, wo wir das erste Mal so richtig überrascht von der Landschaft waren, der Moment, der einfach nur einen Gedanken zuließ: Wow! DAS ist wunderschön. DAS ist die Mongolei?

Es war der dritte Tag unserer Tour und wir fuhren bereits durch unglaubliche Berglandschaften. Unser Guide sprach immer wieder von einem Vulkan, den wir noch besichtigen würden. So wirklich konnten wir uns darunter jedoch gar nichts vorstellen. (Oder auch: Vulkane in der Mongolei? Hää?)

Wie ein gelbes Flammenmeer. In Natura war dieser Anblick atemberaubend.

Und dann waren wir da. Was für eine bizarre Landschaft. Ein Meer aus schwarzen Lavagestein, goldgelbe Wälder, feuerrote Büsche und der beeindruckende Vulkankrater. Das alles. Und wir. Nur wir. Keine andere Menschenseele. Nur ein paar Krähen, die die mystische Stimmung an diesem Ort perfekt machten. Hier an diesem besonderen Ort, wussten wir das unsere Reise durch die Mongolei perfekt werden würde. Und das wurde sie!

Korea

Wenn Zwei sich streiten, freut sich der Dritte. In diesem Fall war das Korea. Da uns die chinesische Botschaft in Ulan Bator keine Visa für China ausstellen wollte, suchten wir uns eben eine Alternative.

Da wir schon länger mit Japan liebäugelten und uns dann zwei ebenfalls Weltreisende in Kirgistan richtig heiß auf Japan gemacht haben, machten wir uns auf den Weg dorthin.

Zuvor legten wir aber einen Zwischenstopp in Korea ein, denn wann haben wir schon jemals wieder so viel Zeit und können so flexibel sein?

Nach knapp 3,5 Wochen Mongolei, freuten wir uns total auf die möglichen Kuriositäten und technischen Wunderwerke dieses Landes. Und nebenbei: Wasser aus der Leitung, ein weiches Bett und vor allem warme Nächte in winddichten Räumen waren auch nicht schlecht.

Wir verbrachten jeweils eine Woche in der Hauptstadt Seoul und eine in der Hafenstadt Busan.

In Seoul hätten wir uns sicher auch einen Monat aufhalten können, so riesig ist die Stadt. Was uns hier am besten gefallen hat war das Essen. Seoul ist ein Paradies für neugierige Allesverschmatzer wie wir es sind. Unsere Highlights waren Pizzatoast in Fischform, Gimbap (ähnlich wie Sushi), Zuckerwatte Eis von Baskin Robbins und mariniertes Schweinefleisch, welches am Tisch auf einer heißen Platte fertig gebraten wird.

In Busan war unser Highlight ein grandioses Hotel mit fantastischer Aussicht (sogar aus dem Badezimmer), kostenfreier Minibar und perfekter Lage genau am Meer. Nach draußen hat es uns ab und an aber trotzdem verschlagen. 😉

Zum Beispiel an die Küste. Dort hat die Stadt einen richtig tollen Wanderweg angelegt. Knapp 4,5 Kilometer immer entlang der Klippen. Mit Fotostopps und kleinen Auszeiten haben wir hier den ganzen Tag verbracht.

Japan

Und ehe wir uns versahen, waren wir auch schon in Japan. Zwischen Busan und der japanischen Stadt Fukuoka heizen täglich Hochgeschwindigkeitsfähren über das Meer. Genau mit so einer traten wir unsere Reise an. Eines steht fest: Die Leute die sich im Flugzeug nicht anschnallen, werden es in dieser Fähre auf jeden Fall tun. Mit 40 Knoten (für die Landratten: 70 bis 80 km/h)  fegt diese über das Wasser. Bei rauer See ist Fliegen dagegen echt ein Spaziergang.

Ein Highlight können wir noch nicht präsentieren. Wir sind ja noch mittendrin. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Disney Land ganz oben mitspielt. (Hahaha)

Und wie lautet das Fazit?

Was für eine Reise. Von einsamen Berglandschaften ins glitzernde, trubelnde Disneyland.

Ja! Genau das ist unsere Reise. So bunt und voller Kontraste. Voller Unglaublichkeiten und Herzlichkeit. Vom Borsch zur Stutenmilch zum Sushi. Schon jetzt denken wir viel über das Erlebte nach. Wir sprechen unglaublich oft vor allem von Usbekistan, Georgien oder dem Iran. Länder die wir für einen „normalen“ Jahresurlaub niemals ausgewählt hätten, weil sie doch irgendwie so anders scheinen. Viel zu kompliziert, mit viel zu wenig Informationen und viel zu vielen Vorurteilen. Oder dem Gegenteil: Mit keiner Ahnung von nichts. Und nun waren wir da und sind so glücklich, dass wir diese Länder bereisen durften.

Gerade jetzt in Japan, teilen wir uns das Land mit Millionen von Gruppenreisenden (vor allem aus dem asiatischen Raum). So wunderschön Japan auch ist, es ist fast immer voll, laut und gedrängt. Momente wie in Usbekistan in unserem seelenfreien, schönen Kalon Minarett, werden hier zur Rarität. Spontan können wir nur noch selten sein. Müssen Unterkünfte und meist auch den Transport bereits Tage in Voraus buchen. Vor allem am Wochenende. Statt dem Bangen um weitere Fahrgäste (denn ein zentralasiatischer Minivan fährt erst los, wenn er rappelvoll ist), reihen wir uns nun in die akorate Warteschlange ein. Und Küsschen auf die Wange gab es auch schon lange nicht mehr. 😉

Ja, sie war einfach etwas besonders, unsere Zeit auf der Seidenstraße. Zum Anfang nicht immer ganz einfach, aber rückblickend das Beste was uns passieren konnte.

2 Kommentare

  1. „was man für einen normalen jahresurlaub nicht auswählt“ – genau das empfinde ich auch. wenn die zeit so begrenzt ist, fehlen ruhe und nerven sich auf etwas unplanbares einzulassen. eure route finde ich wahnsinnig faszinierend, denn ich wäre wohl nie auf die idee gekommen, diese einzuschlagen. eure erzählungen klingen aber wirklich fantastisch und ich sitze hier dann letztlich doch etwas sehnsüchtig, in freudiger erwartung darüber, wie es bei euch weitergeht 🙂

  2. Höre ich da fast ein wenig Wehmut aus den letzten Zeilen ;-)?

    Eure Route ist wirklich bislang total spannend gewesen. Georgien, Usbekistan, Kirgistan und Aserbaidschan sind Länder, die ich aus den gleichen Gründen wie ihr auch nicht als Jahresurlaubsziel gewählt hätte. „Kein Ahnung von nichts“ trifft es in meinem Fall ziemlich genau. Aber jetzt habe ich dank euch immerhin eine kleine Vorstellung. Ich bin auch sehr gespannt, wie es weiter geht :).

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