Afrika, Botswana
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Von den Weiten und der Schönheit des Okavango Deltas.

Okavango Delta

Das Okavango Delta. Kennt ihr es aus den tollen Afrika Dokumentationen? Meistens sieht man es von oben. Saftiges grün, tausende kleine und große Wasseradern, leuchtendes Gelb und dann plötzlich eine Elefantenherde, die durchs Wasser stapft. Das Okavango Delta hat viele Namen: Letztes Paradies auf Erden, Weltkulturerbe, Der Fluss der nie das Meer findet, Das Juwel der Kalahari.

Und all diese Beschreibungen sind so treffend. Der Okavango Fluss – die Lebensader des riesigen Deltas – hält das ganze Jahr über Wasser und ist Heimat von Krokodilen, Flusspferden, verschiedensten Vögeln, Schlangen und Co. Mit rund 20.000 Quadratkilometern ist das Gebiet rund um den Okavango Fluss das größte Binnendelta der Welt. Pflanzen, Tiere und auch Menschen fühlen sich hier schon seit Jahrhunderten wohl und der Besuch im Delta zeigt wie Mensch und Tier im Einklang miteinander zusammenleben. So nutzen die Einwohner des Deltas zum Beispiel die „Hippo Highways“ um sich mit Mokoros, Einboote aus Holz (oder neuerdings aus dem leichteren Material Fiberglas), fortzubewegen.

Okavango Delta Mokoro

Raphael mit dem Mokoro

Besuche in Flusspferd Lagunen kündigt der Mensch durch ein Klopfen mit dem „Ruderstab“ ans Boot an. Unser Guide Candrew erklärte uns, dass das Klopfen ein Kommunizieren ist. So in etwa wie: Schau wir sind wieder da..guck mal her..da sind wir..aber hier bleiben wir auch stehen. Die Flusspferde beantworten das Klopfen mit Grunzen, Schnauben und Maul aufreißen. (Schau wie groß und stark ich bin. Mit meinem großen Maul kann ich dir echt weh tun, wenn du zu nahe kommst.) Denn obwohl die Flusspferde sich von Pflanzen ernähren gehören sie zu den gefährlichsten Tieren Afrikas.  Sie mögen es nicht, wenn man ihnen zu nahe kommt, in ihr Revier. Sollte man also in den Kanälen des Deltas auf ein Hippo treffen ist der Rückwärtsgang mit dem Mokoro angesagt.

Auf ins Okavango Delta

Unsere Reise ins Delta begann beim  Sepupa Swamp Stop. Hier stellten wir unseren riesigen Truck ab und packten alles ins Boot um, was wir für die nächsten 3 Tage brauchen würden: Klamotten, Lebensmittel, Gasflaschen, Wasser und nicht zuletzt unsere Helden des Urlaubs: Die kuscheligen, warmen Decken.

Boot Okavango Delta

Gepäck für das Okavango Delta

Was man so alles braucht für 3 Tage…

Dann ging es los: Drei Stunden lang folgten wir dem Weg des Okavango Flusses. Von Anfang an dabei: Riesige (monströse) Krokodile, wunderschöne Vögel und Flusspferde.

Little Bee Eater Okavango Delta

Krokodil Okovango Delta

Angekommen im Camp

Endlich erreichten wir unsere eigene kleine Insel. Irgendwo inmitten des Deltas. Hier trafen wir auf unsere Guides Candrew und Raphael, die uns in den nächsten Tagen ihre Heimat zeigen würden. Zuerst aber mal belehrten sie uns über die Gefahren der Insel: Flusspferde, Löwen und Elefanten, die die leckeren Marula Früchte fressen kommen. Marula Früchte wachsen an Bäumen. Und diese Bäume wuchsen genau über unseren Hütten. Und wenn ein Elefant sowas leckeres zu naschen bekommt, kann er ziemlich ungemütlich werden, sofern er sich gestört fühlt.

Das haben wir zum Glück nicht erlebt. Ein indirektes Erlebnis mit einem Elefanten hatten wir im Camp aber doch: Am 3. Tag floss kein Wasser mehr aus dem Hahn. Über Nacht hat sich ein Dickhäuter auf die Wasserleitung gestellt, dabei vermutlich gemütlich Früchte genascht und somit das ganze Pumpensystem lahm gelegt.

Mit dem Mokoro unterwegs

Nun aber mal auf ins Delta. Und das mit den bereits erwähnten Mokoro Booten. Solltet ihr auch mal mit den Booten durchs Delta fahren: Setzt euch nicht nach vorne! Es sei denn ihr liebt Spinnen und anderes Krabbeltier. Den letzten beißen vielleicht die Hunde (Flusspferde), aber der erste macht definitiv den Weg frei. Frei von Spinnennetzen.

An unserem ersten Tag im Delta folgten wir sozusagen dem Ruf des Löwen. Man konnte ihn (oder sie) die ganze Nacht hören. Nun waren wir auf Spurensuche. Wir wollten den Löwen zwar gern sehen, aber nicht unbedingt zu dicht an ihn rankommen. Immerhin waren wir zu Fuß unterwegs und unsere Guides trugen keine Waffen bei sich.

Löwenspur Okavango Delta

Löwenspur

Hatte ich bereits erwähnt, dass man im Delta tatsächlich zu Fuß auf Safari gehen kann? Man fährt mit den kleinen Mokoros von Insel zu Insel und darf diese dann betreten. Ein unglaubliches Erlebnis.

Okavango Delta auf der Suche nach Elefanten

Nun wie auch immer. Candrew und Raphael wollten uns zuerst zu Elefanten führen. Dafür haben sie dann auch schon mal die Elefanten Äpfel in die Hand genommen und gefühlt wie warm sie noch waren. Mit jedem Meter kamen wir dem Elefanten näher und näher…denn die Scheiße war irgendwann buchstäblich am dampfen.

Fährten lesen Okavango Delta

Und? Noch warm?

Und da war er dann: Mein allerallerallererster wildlebender Elefant. Majestätisch schön fraß er Gras, brach Äste ab und fraß dann wieder Gras. Toll! In dem Moment gab es nichts schöneres und spannenderes auf der Welt.

Elefant Okavango Delta

Als der Elefant dann genug vom Äste abbrechen hatte zog er weiter. Und wir taten es ihm gleich. Raphael hatte frische Zebra Spuren entdeckt. Zebras? Das musste er uns nicht zweimal sagen.

Picknick mit schwarz-weißen Ausblick

Wir gingen nur wenige hundert Meter, als Raphael stoppte und zu mir sagte: Komm mal her. Dann sah ich es: Ein wunderbares Prachtexemplar von einem Zebra.

Okavango Delta Zebra

Ich war total aus dem Häuschen, als Raphael sagte: Nun komm doch mal richtig her. Und dann nur drei Schritte weiter sah ich eine ganze Zebra Herde. Wow. Konnte der Beginn unserer Reise schöner sein? Wir zählten um die 30 Tiere.

Zebraherde Okavango Delta

Zebras Okavango Delta

Wir wurden entdeckt und von da an nicht mehr aus den Augen gelassen. Sicher ist sicher.

Eine ganze Zeit lang blieben wir wie angewurzelt auf der Stelle stehen. Dann bewegten wir uns auf die Zebras zu und machten ein Picknick. Das Glück trug an diesem Tag schwarz und weiß. Ich stellte mir vor, wie wir jetzt normalerweise im Büro hocken würden und gegen 12 Uhr irgendeinen Kantinenkram zum Mittag aßen zwischen all den Bürohengsten. Nun aber machten wir ein Picknick zwischen Zebrahengsten. War das nicht irre?

Wir harrten ungefähr 40 Minuten bei der Herde aus. Dann machten wir uns auf den Rückweg ins Camp. Den Löwen hatten wir übrigens nicht mehr gefunden. War aber vielleicht auch ganz gut so.

Picknick bei Zebras Okavango Delta

Auf zur Flusspferd Lagune

Für den nächsten Tag versprach mir Candrew Flusspferde zu sehen. Dafür machten wir uns früh morgens auf den Weg. Immer wieder hielten wir kurz an und Raphael und Candrew lauschten den Geräuschen der Vögel. Oft geben die Vögel nämlich Aufschluss darüber, wo gerade irgendwas passiert. (Nicht umsonst überbringt Zazu, der Hornvogel, in „Der König der Löwen“ ja auch den Morgenreport. Zazu weiß eben immer wo was los ist.)

Hornvogel Zazu Okavango Delta

Zazu der Kundschafter

Es war unglaublich faszinierend zu sehen wie gut sich Candrew und Raphael in ihrem Zuhause auskennen. Sie können wirklich alles deuten und sie verschmelzen dabei beinahe mit dem Delta. Mit ganz viel Respekt, Herz und Ausdauer.

Und so fanden wir dann auch bald eine Flusspferd Lagune. Ich habe es oben bereits geschrieben. Candrew kündigte uns mit lauten Schlägen ans Boot an. So wurden die Flusspferde nicht überrascht und wir konnten sie herrlich lange beobachten.

Okavango Delta Flußpferde

Flußpferde Okavango Delta

Am Nachmittag machten wir dann noch Bekanntschaft mit den Pavianen der Insel, die nur wenige Meter von unserem Camp entfernt lebten. Ich bin zugegebenermaßen kein wirklich großer Affenfan, aber irgendwie ist es ja dann doch beeindruckend diese Tiere in freier Wildbahn zu erleben.

Die Abende verbrachten wir stilecht am Lagerfeuer. Über uns hingen die Fledermäuse, schwärmten aus und ein, vor uns knisterte das Feuer und hinter uns knackten immer wieder Äste, raschelten Blätter und schnauften die Hippos. Unsere Tage im Delta waren einfach perfekt.

Was bleibt mir nun am Ende dieses Beitrags noch zu sagen? Das Okavango Delta ist definitiv das Juwel der Kalahari. Ebenso ist es ein wahres Paradies. Ein Ort an dem Menschen und Tiere miteinander respektvoll und im Einklang leben. So wie es eigentlich überall sein sollte.

Das Delta ist spannend, faszinierend und bereichernd zu gleich. Ein Abenteuer, eine ganz besondere Erfahrung. Sowohl vom Mokoro aus, als auch aus der kleinen wackeligen Chessna von oben. In diesem Sinne: Es lebe das Okavango Delta!!

Okavango Delta von oben

Das Delta von oben. Hier sieht man auch Mokoros.

Von oben Okavango Delta

Herden von oben beobachten ist einzigartig.

Das Okavango Delta von oben

Warzenschweine Okavango Delta

Warzenschweine beobachten uns beim Picknick

Spurenlesen Okavango Delta

Spurenlesen: Zebras, Elefanten, Vögel und irgendwas kleines Katzenartiges.

Mokoro Okavango Delta

Unser Mokoro

Futter Okavango Delta

Lecker war’s. Und gegessen wurde stilecht aus Metalltabletts.

Essen Okavango Delta

Durchs Gras Pirschen Okavango Delta

Pirschen durchs hohe Gras

Okavango Delta Team

Wir und unsere Guides. Unschlagbar gut!

Rückfahrt Okavango Delta

Die Rückfahrt um 6 Uhr morgens war echt frisch.

Okavango Delta kalt

Wie man auch hier unschwer sieht. (Unter den Decken wärmen sich 2 Guides). Wie kann es in Afrika nur so kalt sein?

Mind the Crocodiles

Hast du Lust auf noch mehr Afrika? Dann lies doch mal hier rein:

4 Wochen, 3 Länder, 2 Ozeane, 12 Sprachen, 1 Treffer mitten ins Herz…

Lasst das Abenteuer beginnen. Camping in der Kalahari Wüste. (Oder auch: Die kälteste Nacht meines Lebens)

6 Kommentare

  1. Hallo Janine,
    ich würde tatsächlich sooo gern einmal das Okavango Delta sehen und bestaunen… Vor ein paar Jahren habe ich eine Dokumentation darüber gesehen und seitdem träume ich ein bisschen davon 😉 Brauche bloß noch die richtige Reisebegleitung für so ein Abenteuer 😀
    Liebe Grüße, Jean
    http://jean-abovetheclouds.com

    • Janine sagt

      Hallo Jean,
      ich kann dich nur allzu gut verstehen. Bei mir war auch sooo lange der Traum von Afrika da…auch das Okavango. Wenn man dann endlich da ist, ist es noch viel schöner als in der Vorstellung. Ich wünsche dir dass du ganz bald eine passende Reisebegleitung findest..oder du versuchst es einfach mal mit einer Gruppen Safari..da kommt man ja auch klasse in Kontakt mit anderen. 🙂 (Wir sind auch in einer Gruppe losgezogen….)
      Ganz liebe Grüße Janine

  2. Hallo Janine,
    das sind wirklich zauberhafte Bilder! Da bekomme ich jetzt wirklich richtig Lust auf Afrika! Die Luftaufnahmen sind besonders schön. Es ist unglaublich, diese Weite zu sehen. So viel Natur und atemberaubende Landschaft. Toll! 😀
    LG Johanna

    • Janine sagt

      Danke dir liebe Jo.
      Die Luftaufnahmen waren gar nicht so einfach hinzukriegen. Die kleine Chessna ist ständig abgesagt. Am Ende war uns auch allen übel. Haha. Dennoch hat es sich gelohnt, diese einzigartige Landschaft aus der Luft zu sehen.
      Ich hoffe mit den nächsten Beiträgen mache ich dir noch mehr Lust auf Afrika… 🙂
      LG Janine

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