Afrika, Botswana
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Lasst das Abenteuer beginnen. Camping in der Kalahari Wüste.

Camping Kalahari

Also so wirklich Urlaub kann man das ja nicht gerade nennen. Ihr müsst Zelte aufbauen, früh aufstehen, kochen, abwaschen und habt noch nicht mal ne Dusche.

So oder so ähnlich waren ein paar der Reaktionen vor unserem Urlaub in Botswana. Wir würden eine Campingsafari machen. Camping, ohje. Das hab ich im Leben selten gemacht..und es hat mir auch nie gefehlt.

Nun aber würden wir über 8.000 Kilometer von der Heimat entfernt unsere Zelte aufschlagen – in der Wüste, in den Salzpfannen und mitten im Busch. Wir würden irgendwo an der Straße anhalten und ein Mittagessen kochen. Wir würden ums Lagerfeuer herum sitzen und uns Geschichten erzählen, während wir von Antilopen, Schakalen, Flußpferden und Co. beobachtet werden. Wir würden unterm beeindruckend-klaren Sternenhimmel schlafen und um uns herum all die Geräusche der Wildnis hören. Ja das würden wir. Und das taten wir – und es war eine der schönsten Erfahrungen in meinem bisherigen Leben.

Start unserer Tour

Begonnen hat unsere Safari in Johannesburg. Am Vorabend der Tour trafen wir bereits auf unsere Guides Lazarus und Stuart und aßen zusammen mit ihnen in unserer Lodge. Normalerweise wäre das der Moment gewesen wo wir unter Umständen schon mit 15 anderen Gästen am Tisch gesessen hätten, aber der Urlaubsgott hatte uns wiedermals lieb (Danke) und so bestand unsere „Reisegruppe“ nur aus 4 anstatt 17 Personen. Wenn man bedenkt, dass alle Touren nach uns für die nächsten 2 Monate restlos ausgebucht waren, dann haben wir wirklich allerriesengrößtes Glück gehabt. Unsere Safari Mitstreiter für die nächsten 16 Tage würden wir erst am nächsten Morgen beim Frühstück kennenlernen. Mit den Guides aber hatten wir schon mal einen tollen Abend.

Und dann war es soweit: Um 5:30 Uhr klingelte der Wecker. Für 6:00 Uhr war Frühstück angesetzt und für 6:30 Uhr die Abfahrt. Wir würden 700 Kilometer Fahrtweg plus Grenzüberquerung vor uns haben.

Beim Frühstück trafen wir dann endlich auf den Rest unserer Reisegruppe: Karin und Roel. (Sprich: Rule…wie Ruler of the world..) Beide aus Belgien, beide schon viel in der Welt rumgekommen. Beide super sympathisch. Na gott sei Dank. Immerhin würden wir 16 Tage zusammen verbringen.

Abfahrt Richtung Kalahari

Kurz vor 7 (wir waren auf der Tour selten pünktlich, was unseren Guide Lazarus teilweise verwunderte..immerhin hatte er ja 2 Deutsche an Board und bisher war er von denen Überpünktlichkeit gewohnt… ähm..ja…) machten wir uns auf den Weg Richtung botswanische Grenze.

Wir vier Reisegruppler machten uns erstmal breit im Truck. Der war ja für 17 Mann ausgelegt. Wenn wir gewollt hätten, hätten wir also jeden Tag auf einen anderen Platz sitzen können. Irgendwie cool. Stattdessen breiteten wir aber unsere Handtücher, später dann auch Pullover, T-Shirts, Decken, Socken, Schlafsäcke (….) auf den Sitzen aus. Home sweet Home.

Truck Drifters Kalahri Botswana

Nun ab durch die Landschafts Afrikas. Und dann kurz vor Sonnenuntergang (also bereits 18 Uhr in Botswana) erreichten wir die Kalahari Wüste. Wir bauten zum ersten Mal die großen Zelte auf, in denen man sogar stehen konnte. Und für noch mehr Komfort sorgten Campingliegen, sowie eine Wolldecke zum unterlegen. Überraschenderweise gab es ein richtiges Klo und sogar eine Dusche. Ach und ein Restaurant. Unsere Lagerfeuerromantik haben wir also um einen Tag verschoben.

Und dann kam sie. Die grausige Nacht. Die fieseste Nacht. Die gemeinste Nacht. Wie zum Teufel kann es in Afrika nur so schweinekalt sein? Ja, wir haben vorher schon gelesen und gehört das es Nachts im afrikanischen Winter kühl wird. Aber doch bitte nicht so kalt, dass ein 400 Liter Wassertank einfriert?! Hallo? Wir waren in Afrika. Da lag ich nun auf meiner Campingliege, eingemümmelt in meinen nagelneuen Schlafsack, der mich auch noch bei Null Grad schön warm halten sollte. Schade also, dass das Thermometer in den Minusbereich kletterte. Ich dachte an all die kuscheligen Schlafsäcke die im Laden genau in diesem Moment seelig-ruhig an der Stange hingen und bis zu Minus 30 Grad warm hielten. Warum, WARUM hatte ich mir so einen nicht gekauft? Nun lag ich hier, fror mir einen Ast ab und traute mich nicht mal aus dem Zelt, da es um uns herum quietschte, schnaufte und raschelte.

Kalahari Camp Botswana

Wenn ich nicht an die anderen Schlafsäcke dachte, dann dachte ich daran warum zum Teufel wir mitten im Winter eine Campingsafari gebucht haben? Dämlicher geht’s eigentlich nicht. Und dann war mir auch alles egal. Sollte mich doch jetzt ein Löwe fressen. Ich musste dringend auf die Toilette. Also raus aus dem Zelt. Mit der Taschenlampe leuchtete ich die Umgebung ab und rannte zum Toiletten- und Duschhäuschen. Ach, war das hier schön warm drin. Ich blieb also ne ganze Weile dort, machte Kniebeugen, Hampelmann, auf der Stelle laufen. Als ich wieder aufgetaut war, ging ich zurück ins Zelt. Und dann wiederholte sich diese Prozedur die ganze Nacht, bis es endlich um 5 war und wir aufstehen konnten.

Wen wunderts – auch die anderen waren schon wach. Stuart – unser südafrikanischer Guide – kam mit Daunenjacke aus seinen Zelt und als wir feststellten, dass wir beide in der Nacht Kniebeugen gemacht haben, mussten wir herzhaft lachen. Lazarus – unser Hauptguide – hatte die Nacht im Truck verbracht, war also nicht unterkühlt und konnte so für uns das Frühstück vorbereiten. Während er das tat, verkündete er uns, dass es noch 2 weitere Nächte mit Frost geben wird: Die darauffolgende, ebenfalls in der Kalahari Wüste und die in 12 Tagen in den Salzpfannen. Na klasse. Es musste eine Lösung her. Da die Reise abzubrechen natürlich keine Option war, kauften wir uns ein paar Stunden später in Ghanzi Decken. Kuschelige, warme Decken. Die besten Decken der Welt. Tatsächlich waren sie und eine leere Streichholzschachtel (dazu bald mehr) die Helden unseres Urlaubs.

Geier KalahariDie Geier haben schon gewartet, dass wir endlich erfrieren. Haha.

Bushman Walk in Ghanzi

Nach diesem ersten Tag und der üblen Nacht ging es weiter Richtung Ghanzi. Ab hier fühlte es sich dann auch endlich wie Urlaub an. Wir kamen bereits Mittags in unserem Camp an und Lazarus zauberte uns zum Mittag Burger. Wir stellten unsere Campingstühle in die Sonne, aßen Burger, tranken kalten Saft und freuten uns auf den Bushwalk am Nachmittag.

Mittagessen Drifters Kalahari Safari Botswana Afrika

In der Nähe von Ghanzi – in der Kalahari Wüste – leben einige der letzten traditionellen Buschmänner. Einer von ihnen führte uns in der Umgebung herum. Vom ersten Moment als ich ihn sah, war ich fasziniert. Zunächst über das offensichtliche: Er begrüßte uns im traditionellen Gewand, d.h. also beinahe so wie die Natur ihn schuf. Etwas Schmuck, eine Hose, den Oberkörper umhangen mit selbstgemachten Waffen.

Weitaus mehr beeindruckte mich aber seine Art zu reden und zu agieren. Mir war als verschmelze er direkt mit der Natur. Er sprach ruhig, anmutig und total beruhigend. Und dann war da noch sein Geruch. Überhaupt roch es in Botswana so anders, als irgendwo sonst. Es sind die Pflanzen, die Erde, die Tiere. Meine Nase brauchte fast eine Woche, ehe die Gerüche normal für mich wurden und ich sie kaum noch registrierte. Aber zurück zu unseren Buschmann. Er führte uns durch die Kalahari. Erklärte uns Pflanzen, Spuren und Tiere. Was waren Heilpflanzen, was waren Nahrungsmittel, was eignete sich zum anfertigen von Waffen? Welche Tiere jagen sie? Mit welchen Waffen? Worauf müssen sie achten? Wie machen sie Feuer (inklusive Demonstration), wo können sie schlafen?

Kalahari Bushmen

Buschmann Kalahari Bushman

Kalahari Bushman macht Feuer

Es war faszinierend und lehrreich zugleich. Schade, dass es immer weniger traditionelle Stämme gibt, die so eins mit der Natur leben. Schade, dass die Industrienationen nur noch so wenig über das Leben in der Natur wissen, sich teils sogar verschließen. Unglaublich wie unterschiedlich diese beiden Welten sind.

Zum Abend hin verabschiedeten wir den Buschmann und bereiteten unser Abendessen vor. Uns allen war schon ein wenig bang vor dem schlafen gehen, aber mit unseren neuen Decken sollte die Nacht hoffentlich auszuhalten sein. Sie war es – und so konnten wir uns freuen auf all die Abenteuer die uns noch bevorstehen sollten. Doch das ist eine andere Geschichte…und die folgt bald. 🙂

9 Kommentare

  1. wow, das ist so ein abenteuer. toll! obwohl diese minusgradenächte nicht so ganz das meine wären ^.^

    • Janine sagt

      hihi. meins waren diese nächte auch nicht…aber zum glück waren es nur 3. die anderen nächte waren zwar auch frisch, aber ich konnte durchschlafen. meistens sogar mit langer jogginghose und t-shirt. also ohne socken und pullover.

      ich würde dieses abenteuer, trotz frost, dennoch immer wieder erleben wollen. 🙂

    • Janine sagt

      Stimmt…ich bin nicht erforen. Das wäre ja auch mal ne Schlagzeile…Erforen in Afrika… 😉

    • Janine sagt

      Dann hab ich gute Nachrichten für dich: Ich bin nicht mal auf ein einziges Krabbeltier getroffen. Ehrlich. Kannst also hin. 😉

      • Janine sagt

        Uppps. Ich muss mich verbessern: Gerade als ich den Beitrag übers Okavango Delta verfasst habe, fiel mir ein dass es durchaus Krabbelgetiers gibt. Und zwar genau dort. 😉

  2. oh die Reise geht los 🙂 Deine Eindrücke sind der Hammer und ein kleines Bisschen habe ich mich auch wie in Afrika gefühlt. Ich bin schon gespannt auf die Abenteuer, die du erlebt hast.

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