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Dingle: Ein Stardelfin, eine evakuierte Insel und ganz viel wilder Atlantik

Dingle Irland Schaf

Nachdem wir Glendalough schweren Herzens verlassen haben, machten wir uns auf in Richtung Süd-Westen: Zur schönen und wilden Dingle Halbinsel.

Bis dorthin sollte unsere Pannenphase noch anhalten: Ich versuchte mir übers Internet ein Bahnticket zu kaufen. So musste ich anstatt über 60 nur um die 30 Euro zahlen. Alles klappte wunderbar bis zum Zahlungsprozess. Hier sollte ich das Visa Passwort eingeben. Mein Passwort stimmte zwar, aber jedes Mal gab es eine Fehlermeldung und die Verbindung brach ab. Nach 6 Versuchen klappte es endlich. Als wir dann aber am nächsten Tag im St. Kevins Bus zurück nach Dublin saßen, ereilte mich ein Geistesblitz. Ankunft in Dublin, weit ab vom Bahnhof: 9:00 Uhr. Abfahrt des Zuges: ebenfalls 9:00 Uhr. Vor lauter Zahlungsversuchen habe ich meinen Grips beim Buchen ausgeschaltet. Was folgte waren 10,00 Euro Umbuchungsgebühr direkt am Schalter. Nun war es aber mal genug mit Fehltritten. Ab jetzt sollte vorerst alles gut werden, sogar das Wetter!!!!!

Mit dem Zug von Dublin nach Dingle

Unsere Zugreise brachte uns von Dublin nach Tralee. Von dort mussten wir den Bus nehmen, der uns dann entlang der Serpentinen nach Dingle Stadt brachte. Schon die Fahrt dorthin ist ein Erlebnis (wenn man nicht gerade wie ich an Reiseübelkeit leidet). Sattes grün, Schafe, Kühe, Berge soweit das Auge reicht und der Atlantik!

Dingle selbst ist dann eine kleine, bunte und sehr touristische Hafenstadt. Das merkt man vor allem an den Preisen. Unser B&B lag mit 70 Euro pro Nacht zwar noch im Rahmen, aber das Essen mit Hauptgerichten ab 20,00 Euro hat ganz schön an unserer Reisekasse genagt. Auch die Kayakfahrt für 50,00 Euro pro Person war nicht ohne. (Nicht ohne war ebenfalls der saumäßig, ekelhafte Geruch der Neopren Anzüge. Brrr. Ähhh. Pfui.)

Der Star der Halbinsel: Fungi der Delfin

Nichtdestotrotz: Es lohnt sich auf jeden Fall der Stadt einen Besuch abzustatten. Schon allein wegen dem Star von Dingle. Fungi, der wilde Delfin. Seit 1983 lebt Fungi in der Bucht von Dingle und liebt es mit den Booten zu interagieren. Wir haben ihn schon in mehreren Reportagen gesehen und auch Ines von Vier Mal Fernweh erzählte mir von ihrem Erlebnis mit Fungi. Da mussten wir uns auch endlich mal auf den Weg machen ihn zu sehen.

Täglich fahren mehrere Boote raus in die Bucht zu Fungi. Man muss nur bezahlen, wenn man den Delfin auch sieht. Die müssen sich ja echt ziemlich sicher sein, dass das klappt.

Wunderschöne Cliffwalk Wanderung

An unserem ersten Tag in Dingle verzichteten wir jedoch auf die Bootsfahrt und liefen die Bucht zu Fuß ab. Einige Boote waren draußen, wir konnten Fungi jedoch nicht entdecken. Dann irgendwann sahen wir sie: Die wahrscheinlich berühmteste Flosse Irlands. Juhu. Fungi war also Zuhause. Wir beobachten ihn eine zeitlang und liefen dann weiter Richtung Atlantik.

Eine Wanderung, die ich jedem Dingle Besucher nur ans Herz legen kann. Die Klippen sind wahnsinng schön und der Ausblick sowieso. Da macht es auch nichts, wenn das Wetter etwas rauer ist, im Gegenteil. Je rauer, je wilder!!!! Der Weg führt an der Dingle Bucht vorbei, stadtauswärts Richtung Leuchtturm und dann immer der Nase nach. Der Cliffwalk ist nicht zu übersehen.

Hier ein paar Eindrücke (zum Vergrößern anklicken):

Fungi – Bootstour

Nun aber zurück zu Fungi. Den wollten wir irgendwie doch noch gern etwas größer und dichter sehen. Also fuhren wir am 2. Tag in Dingle ebenfalls mit einem der Boote hinaus. Die Tickets dafür kauft man direkt im Hafen (nicht zu übersehen, überall hängen Fungi Plakate) oder direkt auf den Booten (15-16 Euro pro Person). Fungi war eine ganze Stunde lang nicht zu sehen. Unser Bootsführer gab jedoch nicht auf (klar, man bezahlt ja auch nur nach erfolgreicher Sichtung). Und dann wurde das Warten (und nass werden) belohnt: Fungi war da und schwamm neben einem orangenfarbenen Boot her. Wir waren genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Nämlich genau gegenüber und hatten so einen super Blick auf den Delfin. Ich hätte es ja nicht gedacht: Aber wieder mal bekam ich eine Gänsehaut und war glücklich bis in die Zehenspitzen. Ein Gefühl, wie damals in Costa Rica, bei unserer ersten Delfintour.

Ich wünsche Fungi noch viele glückliche Jahre! Und den Besuchern ein genauso tolles Gefühl, wie das, welches sich durch mein Herz zog. Danke Fungi, du bist toll!

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Ach und noch ein Tipp: Fungi kann man auch super während einer Kanufahrt durch die Bucht sehen. Unser Guide erzählte uns, dass Fungi schon öfter mit dem Kanu mitgeschwommen ist. Das Glück hatten wir zwar leider nicht, aber wir konnten ihn aus dem Wasser trotzdem nochmal von Weitem beobachten.

Blasket Island – die vergessene Insel

Ganz schön viel (Wetter-)Glück braucht man übrigens auch um die Blasket Islands zu besuchen. Auf der größten Insel davon, die ein paar Kilometer vom Ort Dunquin entfernt liegt, lebten bis 1953 noch Menschen. Es gab ein Dorf mit ca. 20 Häusern und zu den besten Zeiten zählte die Inselgruppe um die 160 Einwohner. 1953 waren es noch 22 und die wurden nach und nach von der Insel geholt. Interessanterweise gibt es verschiedene Versionen, warum die Insel evakuiert wurde:

1) Eine schlechte Fischsaison.
2) Die irische Regierung veranlasste die Evakuierung aufgrund schlechter Lebensbedingungen auf der Insel. (Kein Strom, kein fließend Wasser etc.)
3) Ein 7-jähriger Junge starb auf der Insel. Er brauchte einen Notarzt, aber die See war 4 Tage lang zu rau zum übersetzen. Daraufhin war der Inselgeist gebrochen.

So oder so sind die Geschichten rund um die Insel spannend. So gibt es in Dunquin auch ein sehr interessantes Blasket Island Museum.

Bevor wir aber endlich auf die spannende Insel konnten, brauchte es 3 Anläufe. Jedes Mal war das Meer zu rau um von Dingle aus 45-60 Minuten zu den Blaskets zu fahren.

Fahrt auf die Blaskets von Dunquin aus

Als wir dann aber direkt in Dunquin waren, hatten wir Glück: Von dort fuhr die Fähre. 20 Minuten dauert es ungefähr überzusetzen. Schon die Fahrt ist ein Abenteuer, denn man wird ganz schön durchgeschaukelt. (Ich als Ober-Angsthase habe mir da gleich mal meine Schwimmweste fester geschnürrt.)

Auf der Blasket Insel gibt es dann gleich 2 Höhepunkte:

1) Die alten Ruinen. Wenn man vorher im Museum war, weiß man die Häuser sogar zuzuordnen. Super spannend, wie die Menschen hier gelebt haben.

2) Der schöne Strand, der Heimat von Hunderten von Seehunden ist. Wir hätten uns das Spektakel ewig anschauen können: sich sonnende, spielende, raufende, schlafende, schwimmende, heulende und natürlich robbende Seehunde. Klasse!!!!

Übernachtung auf den Blaskets – ohne Strom

Auf der Insel gibt es übrigens auch ein Hostel. Sollte man sich für die Übernachtung entscheiden, ist es ratsam genug Proviant mitzunehmen, falls doch mal ein paar Tage keine Boote fahren können. Strom gibt es auf der Insel auch nicht. Also Ersatzakkus einpacken. Wenn wir nochmal auf der Dingle Halbinsel sind, planen wir eine Übernachtung aufjeden Fall mit ein. Authentischer geht es kaum. :)

Informationen zur Übernachtung: https://www.greatblasketisland.net/accommodation/

Highlight: Wanderung von Dingle nach Dunquin

Von Dingle aus fährt man übrigens 20 Minuten mit dem Auto nach Dunquin. Aber ich kann euch nur eines raten: Lasst die Autos stehen. Bitte! Lauft lieber entlang des Dingle Way! Der Streckenabschnitt Dingle Town – Dunquin ist 20 km lang. Führt zunächst durch die Berge, dann entlang eines schönen Strandes bei Vantry, an dem man tolle Muscheln finden kann. Zum Ende geht es ein paar Kilometer auf den Mount Eagle (und herum). Hier läuft man einen wunderschönen Weg entlang typisch irischer Mauern, trifft ständig auf Schafe und auf tolle Bachläufe. (Für alle Urlauber mit Hund: Auf dieser Strecke sind Hunde wegen der Schafe leider verboten.) Fast immer im Blick hat man den wilden Atlantik. Die Strecke ist einfach schön und in ca. 7 Stunden zu schaffen. Mehr Bilder und Eindrücke findet ihr in meinem Wanderbericht dazu: Wandern in Irland: Dingle Way – Dingle-Dunquin.

Muscheln Irland

Der gesamte Dingle Way ist 179 km lang und führt einmal um die Halbinsel. Dafür braucht man 8-9 Tage. Infos dazu gibt es hier auf der offiziellen Homepage. Für uns war der Teilabschnitt genug. Vielleicht sogar der schönste Part des Dingle Way, denn er führt direkt Richtung Slea Head. Eine beeindruckende Landzunge im Atlantik.

Wer den Dingle Way komplett laufen will, kann auch für (momentan) 20 Euro sein Gepäck von B&B zu B&B mit dem Auto fahren lassen.

Wir selbst hatten für die Wanderung nur einen Tagesrucksack dabei. Der Rest stand im B&B in Dingle Stadt und wartete auf unsere Rückkehr. Die traten wir dann am nächsten Tag mit einem Taxi für 20,00 Euro an.

Und so endet diese Geschichte hier. Wir haben 4 wunderbare Tage auf der Dingle Halbinsel verbracht und sie hat sich mit all ihren Facetten in unser Herz geschlichen.

Nachtrag vom 06.07.2015: Da ich meinen Fokus ja auf das Reisen ohne Mietwagen legen wollte, nachfolgend noch die Infos zur Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Anreise ohne Mietwagen

Von Dublin aus fahrt ihr am besten mit dem Zug nach Tralee. Die Tickets solltet ihr unbedingt ein paar Tage, spätestens jedoch einen Tag vorher, online kaufen, dann könnt ihr über 50% sparen gegenüber dem Verkaufspreis vor Ort am Schalter. Onlinebuchung per Kreditkarte (bald soll auch Paypal folgen) über: irishrail.ie

Tickets ab 24,99 Euro online. Maximalpreis am Schalter: 65,00 Euro. Reisezeit: 4 Stunden inkl. Umstiegszeit in Mallow.

In Tralee fährt dann die Buslinie 275 (aktueller Fahrplan) der irischen Busgesellschaft Bus Eireann nach Dingle Stadt. Ticketpreis: 23,10 Euro (Hin- und zurück). Reisezeit: 1 Stunde

Aus Cork kommend könnt ihr mit Bus oder Bahn (beides ohne umsteigen) bis nach Tralee fahren. Von dort dann wie gehabt weiter mit dem Bus.

Weitere Reise- und Fahrinfos gibt es auf der offiziellen Dingle Webseite.

Übrigens: Wenn ihr den selben Weg auch zurückfahrt, kauft am Besten direkt ein Returnticket. Damit kann man nochmal einiges sparen.

Fortbewegung innerhalb der Dingle Halbinsel

Dingle Stadt ist das einzige Ziel auf der Halbinsel das mehrmals täglich frequentiert wird. Zu den anderen Orten wie Vantry oder Dunquin gelangt man ohne Mietwagen nur schwer. An verschiedenen Wochentagen fährt ab und an mal ein Bus. Auf der oben genannten Dingle Webseite gibt es davon eine gute Grafik und Links zu den Fahrplänen.

Wir haben uns von Dunquin für 20,00 Euro ein Taxi zurück nach Dingle Stadt genommen.

Zu den Blasket Islands fahren von Dingle, Vantry und Dunquin Fähren. Da das Meer aber meist sehr rau ist, fallen die Fähren von Vantry und Dingle oft aus. Mehr Glück hat man dann in Dunquin, da der Weg zur Insel von hier am kürzesten ist. Überfahrt: 25,00 Euro p.P.. 35,00 Euro p.P. von Dingle.

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11 Kommentare

    • Janine sagt

      Ja. Total. Wenn man dann noch bedenkt, dass die Fotos leider doch nie das einfangen können, was man dort „wirklich“ sieht (und empfindet). Ich liebe den Atalantik. Zumindest wenn ich nicht gerade stundenlang drüber fliege :P

  1. Mensch, wie neidisch ich bin! Ich war nun zwar schon 12 Mal in Irland, aber irgendwie schaff ich es einfach nicht dorthin :/ Das klingt nach einer schönen Zeit, die ihr da hattet ♥

    Hast du vielleicht Lust dich mal per Mail mit mir in Verbindung zu setzen? Vielleicht können wir den ein oder anderen Irland-Tipp austauschen :) Würde mich freuen!

    Liebe Grüße ♥

    • Janine sagt

      Hey Sabrina,

      Wow! Du warst schon 12 Mal in Irland? Wahnsinn. Aber sag mal wo warst du denn dann immer so? ;)
      Dingle is wirklich richtig toll. Ich habe die Halbinsel jetzt ja auch erst nach 10 Jahren (seit ich das erste Mal in Irland war) kennen gelernt, aber jetzt weiß ich: Ich muss irgendwann wieder hin! :)

      So und nun schreibe ich dir mal fix eine E-Mail! :)

      LG!

  2. Liebe Janine, vielen Dank für diesen schönen Bericht und die Erwähnung. Hach ja, Dingle ist schon so lange her, es wird wirklich Zeit … Ich freue mich, dass Ihr Fungi noch getroffen habt, der muss doch kurz vor der Rente stehen. ;-) LG Ines

    • Janine sagt

      Jaaa..du hast Recht. Eigentlich müsste Fungi kurz vor der Rente stehen (der tummelt da ja schon seit vor meiner Geburt rum), aber tatsächlich ist der noch fit wie n Turnschuh. Was mein Facebook Video bald beweisen wird. ;)
      Trotzdem ist es ein gutes Gefühl ihn jetzt noch gesehen zu haben, bevor er nun (wahrscheinlich) doch bald in den Ruhestand geht.
      Neben Fungi haben mich auf der Halbinsel aber auch die Blasket Islands total fasziniert. Solltet ihr da noch nicht gewesen sein und bald mal wieder in Irland vorbei schauen, fahrt da unbedingt hin! :)

      LG Janine

  3. Neben der Gap of Dunloe auf jeden Fall mein Lieblingsplätzchen in Irland ist der Dunquin Pier, ebenfalls auf der Dingle Halbinsel, geht ab vom Slea Head Drive :) Haben Fungie auch versucht vom Boot aus zu sehen, aber das war so eine wilde Jagerei.. irgendwie fand ich das blöd. Haben ihn aber abends dann vom Spazierweg an der Seite gesehen, das geht von da aus viel, viel besser und vor allem stressfreier.

    • Janine sagt

      Dunquin Pier. Da saßen wir auch schon. Herrlich. Überhaupt ist die Dingle Halbinsel echt wahnsinnig schön!
      Die Jagd auf Fungie find ich irgendwie auch nicht so schön. Andersrum gefangen ist er ja auch nicht, wenn er wollte könnte er rausschwimmen. Ich war froh, dass er bei uns neben einen Boot immer wieder hochgesprungen ist. So war es weniger Jagd, sondern er ist mit uns mitgeschwommen.
      Aber man sieht ihn ja zum Glück auch von der Küste aus. Zwar klein, aber immerhin. :)

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