Allgemein, Blogparaden
Kommentare 7

Was mir das Reisen bedeutet…

Monat für Monat berichte ich hier über meine liebsten Städtereisen, bewegendsten Begegnungen oder tollsten Wanderstrecken. Das ich das Reisen liebe, das ist wahrlich kein Geheimnis. Was aber bedeutet es mir genau? Warum packe ich wieder und wieder meine Sachen (wo ich Sachenpacken echt hasse!!!!) und ziehe hinaus ins Unbekannte? Für die Blogparade zum Thema „Was mir das Reisen bedeutet“ von Travelography habe ich mal genauer in mich reingehört und zu Papier gebracht, warum mir das Reisen eigentlich so wichtig ist.

Den – das erste Mal Moment – erleben

Das erste Mal Nudelsuppe zum Frühstück essen, das erste Mal im neuen Jahr ins Meer springen und das Salz auf den Lippen spüren, das erste Mal beim Aussteigen aus dem Flugzeug, die wunderbare sonnige Luft einatmen, das erste Mal mit Delfinen über das Wasser springen (und eine Mega Gänsehaut bekommen), das erste Mal ein Zimmerupgrade erhalten (und dann trotzdem viel zu wenig Zeit auf der Mega Terasse verbringen), das erste Mal mit dem Nachtzug fahren und mit dem Ho Chi Minh Song Pauken- und Trompetenhaft aus dem Schlaf gerissen werden, das erste Mal das leckerste Mango Eis aller Zeiten essen (…)

Diese Liste ist beinahe unendlich, unersetzlich und unglaublich schön. Und weil jedes Land so viel Neues zum Entdecken bereit hält, werden uns die das erste Mal Momente bestimmt nicht ausgehen.

Zeit zusammen genießen

Urlaub – der Beziehungskiller Nummer Eins? Oft habe ich das so schon in den Medien gehört und gelesen. Und jedes Mal fange ich an zu grübeln wie das geht. Andi und ich jedenfalls genießen keine Zeit im Jahr so sehr wie unseren Urlaub. Endlich sitzen wir nicht die Hauptzeit des Tages auf Arbeit und sehen uns dann „kurz Mal“ zum Abend ausklingen lassen. Stattdessen können wir den ganzen Tag gemeinsam so verbringen wie wir es uns wünschen. Wir können wandern gehen oder stundenlang aufs Meer schauen, wir können nichts tun oder alles aufeinmal. Wir haben Zeit, Zeit für uns und schöne Momente. Unbezahlbar!!!

Panama Bibis Restaurant

Über meinen Schatten springen

Meist sind es die Reisen, die mich zwingen über meinen eigenen Schatten zu springen. Egal ob ich mir eingestehen muss, dass ich mich von Vorurteilen hab blenden lassen oder mich meinen Ängsten stellen muss. Wilde Wasserfälle hochklettern, im Tuktuk mit einem Wildfremden ins Nirvana fahren, Canopy über den Baumwimpfeln. Es gibt so vieles was mir Angst macht, denn ich bin im Prinzip ein geborener Angsthase. Schon bei sowas einfachen wie Kanufahren bin ich vorab ultra-nervös. Ich könnte ja umkippen, irgendwo im Kanu hängenbleiben und dann kopfunter ertrinken. Ja. Meine Fantasie ist groß. Beim Canopy reißt natürlich genau bei mir das Seil und beim Wasserfall hochklettern erwische genau ich den Glitsche-Stein und fall in die Tiefe.

Am Ende ist aber doch immer alles gut gegangen und ich habe mir in Gedanken stolz auf die Schulter geklopft…achja. Und Spaß hatte ich sogar auch. :)

Canopy Costa Rica

Süß, sauer, salzig, saftig… Gutes Essen genießen

An statt zum Vietnamesen um die Ecke: In der Altstadt von Hanoi auf kleinen Plastikstühlen an der Straße eine Pho Bo Suppe essen. Draußen im Hafen, die Salzluft riechen und frische Meeresfrüchte genießen. Im klitzekleinen Tapasladen irgendwo in den Bergen, bei spanischen Hauswein, zuzusehen wie unsere Tapas frisch zubereitet werden. Essen auf Reisen ist eben anders, als hier in Deutschland in das jeweilige Nationalitäten Restaurant zu gehen. Die süß-saftige Papaya schmeckt im heimischen Wohnzimmer  ja auch nicht mehr so gut wie am schneeweißen Sandstrand unter Palmen.

Vom Streetfood bis zum 5 Gang Menü, von der schlanzigen Boardküche im Zug bis zum Spezialitäten Restaurant – wir probieren alles aus. Zum Reisen gehört das Entdecken von kulinarischen Höhepunkten für uns einfach dazu. Essen ist für uns Kultur und gutes Essen ein Privileg. Zusammen essen mit den Einheimischen ist noch dazu eine einmalige Erfahrung. (Oder wo bekommt man sonst Applaus dafür, sogar ein Schweineschnitzel [am Stück] mit Stäbchen zu essen?)

Vietnam Kochkurs

Perspektiven wechseln

Ich würde es jedem Menschen wünschen, wenigstens einmal im Leben in ein anderes Land zu reisen. Nicht als All Inclusive Urlaub, sondern mittem im Leben. Zwischen Land und Leuten. Warum ich mir sowas wünsche? Weil ich glaube, einiges könnte besser werden. Grenzen in Köpfen könnten sich verschieben (oder sich gar öffnen), Persepektiven könnten sich wechseln, die Welt könnte so viel bunter werden.

Denn genau, dass ist es was das Reisen bei mir bewirkt. Der Horizont wird größer, das Herz weicher, der Geist empfänglicher, die Seele offener.

Momente sammeln…

Zum Beispiel der in Istanbul, als wir über den Dächern der Stadt mit Ausblick auf den Bospurus auf gerade mal kniehohen Stühlen schwarzen Tee getrunken haben. Die Sonne kitzelte unsere Nasen, der Wind wehte eine erfrischende Bosporusbrise herüber, der Tee schmeckte herrlicher als irgendwann sonst – was kümmerte uns in diesem Moment der Rest der Welt?

Schwarzer Tee Istanbul

Lächeln verschenken

Bei all den schlechten Nachrichten auf der Welt, bei all den vielen Vorurteilen, den Dingen die passieren und die besser nicht passieren sollten, möchte ich da draußen einfach die gute Welt finden. Und ich möchte ihr ein Lächeln schenken. Ich möchte den Menschen ein Lächeln schenken. Ein Lächeln was vor allem für Respekt steht, für Toleranz und Offenheit. Ein Lächeln was mal Vielen Dank heißt und ein anderes mal es war schön dich kennenzulernen. Dann wieder drückt es aus, wie schön ich dein Land finde oder wie lecker das Essen war. Es heißt ich würde gern wieder zurückkommen oder danke für die gute Arbeit die du getan hast.

Allen voran ist es mir in Vietnam aufgefallen wie respektlos einige Touristen mit den Einheimischen umgegangen sind. Mit hochgestreckter Nase und tiefer Arroganz. Ganz besonders dann war es mir ein Anliegen Lächeln zu verschenken. Um sowohl der Bedienung im Restaurant, als auch dem Schaffner, der Putzfrau, dem Taxifahrer oder dem Eisverkäufer zu verstehen zu geben: Danke, dass ich in deinem Land zu Gast sein darf und du mich so freundlich aufnimmst.

Vietnam Mekong Delta

Vorfreuen – Pläne schmieden – Tage zählen

Vor ein paar Jahren schenkte ich einer Freundin zum Uniabschluss einen Flug nach Budapest. Ich wollte sie damit überraschen und ihr nicht sagen, wo es hingeht. Daraufhin wurde sie traurig und konnte sich über das Geschenk gar nicht freuen, während ich jedoch voller Vorfreude ein Hotel suchte, coole Sehenswürdigkeiten recherchierte, mir Bilder anschaute (…). Es sollte ja eine Überraschung sein und ich liebe es Überraschungen zu machen. Aber in diesem Fall machte ich dann doch einen Rückzieher und verriet ihr das Ziel. Danach hatten wir ein paar richtig coole Wochen, an denen wir uns jeden Tag auf Budapest freuten und gemeinsam fantasierten, was wohl alles auf uns warten würde.

Die Vorfreude gehört einfach zum Reisen dazu. Sie ist vielleicht sogar einer der schönsten Reiseabschnitte. Ich zumindestens verbringe stundenlang damit auf anderen Blogs zu stöbern, Hotel und Apartmentbewertungen zu durchforsten, Bilder anzuschauen und davon zu träumen da auch bald zu stehen, Klebezettel in den Reiseführer zu bappen, Wanderrouten rauszusuchen…

Unsere Fernreisen buchen wir meist schon über ein halbes Jahr vorher. Nicht nur, dass es oft preiswerter ist, vielmehr ist unsere Reise dann „amtlich“ und ich kann mich ein halbes Jahr lang Tag für Tag freuen (und anderen damit auf den Geist gehen. Hihi)

Zeit verschwenden

Stundenlang im Meer treiben lassen, Fische beobachten, Aussichten genießen, dem Klingeln der Ziegenglocken hinterjagen, warmen Sand durch Füße und Hände rieseln lassen, Umwege gehen, Grashalme zählen…

Ist es nicht wunderbar auch mal Zeit dafür zu haben, Dinge zu tun, die im Alltag gar nicht in Frage kämen – in dieser kurzen kostbaren Freizeit, die uns dann nur bleibt?

Wo keine Verpflichtungen rufen, bleibt auch mal Zeit fürs wunderbare Nichtstun, fürs Pläne verwerfen, fürs Seifenblasen pusten, fürs Traumburgen bauen!

Cliffs of Moher

Glücklich, frei, lebendig sein

Zu guter letzt, aber doch fast am wichtigsten: Reisen bedeutet für mich glücklich und frei sein. Alle vorab genannten Aspekte verbinden sich zu einem riesigen, bunten, zuckerwattigen, flauschigen Gefühl: Glücklich sein!

Nicht umsonst wünscht man sich ja von Kindheitstagen an zum Geburtstag „Viel Glück und Gesundheit“. Wir alle wollen glücklich sein. Und wir alle finden so viele unterschiedliche Wege, das umzusetzen. Für mich ist das Reisen nicht die einzige, aber eine der schönsten Gelegenheiten glücklich zu sein. Auf Reisen fühle ich mich lebendig. Ich nutze die Zeit und vergeude sie. Ich esse gut, ich erlebe Abenteuer, ich treffe auf neue Kulturen, ich mache genau das was ich will und was mir gut tut. Ich bin genau der Mensch der ich sein will und nicht der, der ich sein muss. Und das macht mich unglaublich glücklich!

7 Kommentare

  1. Ich wollte bei der Blogparade auch mitmachen und habe es bisher nicht getan, denn ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, dass ich nicht weiß, was ich schreiben soll. Denn es erscheint mir alles so selbstverständlich, dass es mir fast komisch vorkommt, es in einen Artikel zu packen… :-O

    Nun sehe ich, dass man auch das Selbstverständlich Scheinende gut in einen Artikel packen kann :) Vielleicht schreib ich den Beitrag ja doch noch?

    • Janine sagt

      Hihi. Danke liebe Ilona für deinen Kommentar, über den ich direkt Lächeln musste. Mir ging es am Anfang nämlich genau so.. Aber dann dachte ich wieder an den Moment als wir in Sizilien aus dem Flugzeug gestiegen sind und mir diese MEGA GEILE Luft um die Nase wehte. Und als ich an diesen Moment dachte, wusste ich, es ist doch in Worte zu packen.
      Und nun mein übliches: JAAAA! Bitte schreib doch auch noch. ;-) Ich les doch so gern bei dir.
      Aber ich glaube die Blogparade lief nur bis 31.01. :( (was dich ja nciht vom schreiben abhalten muss…soll..darf…)

  2. Pingback: Blogparade: Was bedeutet reisen für dich? - Reiseblog Travelography

  3. grade den letzten punkt kann ich so sehr nachvollziehen!!
    ich hatte den text für die blogparade schon fertig aber irgendwie passt mir das grade so gar nicht rein, so gefühlsmäßig. naja, vielleicht veröffentliche ich ihn irgendwann mal außer obligo…

    • Janine sagt

      das hab ich leider auch oft. manchmal passt es einfach nicht..und dann sollte man auch nicht veröffentlichen. Immerhin ist das unser Baby. :)
      Ich bin trotzdem gespannt, was du so verfasst hast. Hoffentlich passt es bald..hihi :)

  4. Pingback: Was bedeutet Reisen für dich: die Zusammenfassung - Reiseblog Travelography

  5. Der Titel ist perfekt gewählt. Die Momente und Erinnerungen sind einfach unersetzlich. Und das Gefühl vom ersten Tag an einem neuen Ort ist etwas ganz Besonderes…

Kommentar verfassen