Irland
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Irland. Irgendwie anders.

Irland Anders

Als ich vor 9 Jahren das erste Mal meinen Fuß auf die Immer-Grüne Insel setzte, spürte ich es schnell: Irland ist anders. Zunächst war da natürlich das Offensichtliche: der Linksverkehr; die unglaublich vielen Schafe; die weite, unbewohnte Landschaft; die angehäuften Pubs; die Kobolde und Kleeblätter, die so einige Geschäfte und Restaurants verzieren und das deftige Frühstück, dass auf irischen Tellern landet (Pudding [= eine Art Grützwurst], Baked Beans, Sausages, Hash Browns, Bacon, Brown Bread).

Tag für Tag gesellten sich jedoch so viele Eigenheiten dazu. Als ich nun vor wenigen Tagen wieder Irlands Luft atmete, musste ich schmunzeln wie nach und nach all diese liebenswerten Eigenheiten wieder zum Vorschein traten. Aus diesem Grund möchte ich diesen nun einen eigenen Eintrag widmen. :)

1. Irland ist irgendwie altmodisch, besonders was die Sanitäranlagen betrifft.

Mischbatterien sind irgendwie eine feine Sache, aber scheinen für Irland nicht ausreichend Stil zu besitzen. Schon vor 9 Jahren ärgerte ich mich mit den zwei Wasserhähnen für warm und kalt herum, auf die man vor allem im Badezimmer trifft. Der neumodische Ire (so mein Gastvater) hat sich zwar nun von den alten Traditionen verabschiedet und besitzt sogar eine Regenwalddusche, aber der Blick in traditionelle Wohnungen, Restaurants und Hotels verrät: der rote und der blaue bzw. der C und der H Wasserhahn haben einfach Stil und bleiben. Punkt!

Irland Wasserhahn

 2. Irland ist süchtig nach Glückwunschkarten.

Als ich vor wenigen Tagen im Flieger nach Irland saß, fingen plötzlich alle Alarmglocken an zu läuten: wir hatten es vergessen. DAS wichtigste Utensil eines jeden Geburtstags, Feiertages und natürlich auch einer Hochzeit. Die Glückwunschkarte. In Irland (und ich glaube auch in England) gibt es tatsächlich Geschäfte die sich nur auf Karten spezialisieren. So zum Beispiel Hallmark. Hier findet das Herz des Glückwunschkarten-Iren einfach alles. Jede Kartenvariation, die man sich wünschen kann. Von S bis XXL von grau bis schrill. Die Karten, die üblicherweise mit Geld verschenkt werden (welches auf dem Postweg durchaus oft verloren gehen kann – leider) werden nach Erhalt  auf Fenster- und Kaminsimsen aufgestellt, arrangiert, positioniert und für einige Tage dort belassen. So können die Gäste der darauffolgenden Tage sie bestaunen. Ohne Glückwunschkarte läuft in Irland zu offiziellen Anlässen NICHTS. Uns hatte man zum Glück (wir haben ja den Ausländerbonus :P) trotzdem lieb.

 

Irland Grußkarte

3. In Irland gilt: Buy 2 get 3.

Schlagen sie hier nicht höher, die Herzen der Schnäppchenjäger? Ob im Supermarkt, im Klamottenladen, im Buchhandel oder im CD Geschäft. Überall gilt: Buy 2 get 3 oder auch etwas variiert: Buy 2 get 3rd item for half price usw. usf.. Wer also mitmischen möchte im Tagesgeschäft, der haut raus, was raus zu hauen ist. Am Anfang kann das natürlich leicht verführen, unnützes Zeug zu kaufen. Aber gerade während meines Au Pair Jahres war es eine tolle Gelegenheit mir doch mal was leisten zu können. Besonders oft habe ich das Angebot für Bücher genutzt. Hier gab es das dritte meist kostenlos mit dazu.

4. Irland hört sich einfach anders an.

Als ich in Irland ankam verstand ich zunächst nicht ganz soviel. Gut. Das lag auch an meinen damaligen Englischkenntnissen, aber vor allem an dem irischen Akzent. Wenn es doch nur der wäre: zudem gibt es natürlich auch noch die verschiedenen Dialekte übers ganze Land verteilt. Für Sprachwissenschaftler ein Paradies: so viele Wörter wurden zwar aus dem Englischen übernommen erhielten aber ihren irischen Einfluß. Auf das komische zu lispelnde „th“: gepfiffen. Korrekte Aussprache von u and i: ach was. Irische Wörter wurden „verenglischt“, englische „veririscht“. Es gibt ein tolles Buch von lonely planet zu diesem Thema mit dem Titel: Irish Language & Culture – Great Craic!

Ich persönlich liebe den Klang dieser Sprache. Ein bißchen rau und grob, wie das Meer das im Westen auf die irische Küste trifft und dennoch freundlich und fröhlich, wie ein Besuch im Pub.

5. Ob in Spanien, Italien oder ja, auch in Irland: Palme ist In!

Sie haben ein wenig gelitten unter dem harten Winter der Irland vor 2 Jahren heimsuchte. Doch es gibt noch so einige von ihnen. Im ganzen Land. Ich muss sagen, meine erste Begegnung mit den Palmen war wirklich merkwürdig und lies mich auf richtig tolles Wetter hoffen. Das alle Welt über den irisschen Dauerregen redete schien nur Tarnung zu sein, um dieses Inselparadies nicht überzubevölkern. Aber nein. Der Regen ist selbstverständlich kein Gerücht und die Palmen (eine stand direkt vor meinem Fenster) finden durch das milde Klima, ausgelöst durch die Ausläufer des Golfstroms, eine etwas andere Heimat.

Im Süden Irlands redet man sogar von mediterraner Vegetation. Hier trifft man auf so einige exotische Pflanzen. Manche von ihnen wachsen sogar besser auf der grünen Insel, als in ihrer Heimat.

  Irland Irland

6. Man nascht im Kleinformat.

Ob Chips (mit Essig Geschmack), Popkorn (dieses natürlich gesalzen) oder Süßigkeiten – in Irland liegen diese im Kleinformat bereit. Nicht nur als Au Pair fand ich dies damals super praktisch (Große Packungen hätten nur zum Streit unter den Kleinen geführt, wie viel ich nachfüllen soll bzw. wer wieviel davon isst. So bekam jeder seine kleine EIGENE Packung und war mehr als zufrieden.), auch heute noch ist es super, wenn man mal nebenbei einen Snack essen will. Eine Tüte bei uns in Deutschland offen liegen zu lassen, kann manchmal doch echt schwer fallen. So aber ist die kleine Tüte alle und man ist voll und ganz zufrieden. Nichts mehr übrig was austrocknen könnte und so unbedingt gaaaaaanzzz schnell gegessen werden muss. ;)

Der kleine Kartoffelmann, den man hier sieht heißt übrigens Tayto. Tayto ist der Inbegriff von irischen Chips..das Original..das Unikat..und dazu so freundlich dreinschauend.  Zum anbeißen ;)

Tayto Irland

7.  Irlands Fenster öffnen sich nach außen.

Bei jedem Besuch denke ich immer wieder wie viel die Iren uns voraushaben. Herrlich diese Fenster die sich nach außen öffnen lassen. Man muss sich keine Gedanken darum machen ob irgendein Schrank im Weg stehen könnte und man kann das Fensterbrett ganz für herrliche Dekoration nutzen (z.b. für Grußkarten. Haha.). Außerdem waschen sich die Fenster bei dem Regen so fast von ganz allein.

8. Busfahrern wird gedankt! und dafür halten sie dann auch im Nirgendwo. Und fährst du „Return“ kannst du ganz schön sparen.

Während den Überlandbussen in Deutschland nur langsam eine größere Bedeutung zukommt, geht in Irland nichts ohne den Bus (hauptsächlich Buseireann). Das Busnetzwerk ist in Irland so gut ausgebaut wie bei uns die Schiene. Jedes kleine Dorf wird zumindest 1-2 Mal am Tag angefahren. Größere Dörfer und Städte natürlich in besseren Takten. Der Bus auch genannt „coach“ ist super! Je länger die Strecke (z.b. Dublin – Galway) umso besser der Preis. Aber so richtig unschlagbar wird der Preis erst, wenn man gleich das Rückfahrticket mit dazu kauft. Gerade letztes Wochenende sind wir für ungefähr 12 Euro p.P. von Dublin nach Wicklow gefahren. Für gerade mal 3 Euro mehr, hätten wir auch den Rückweg (innerhalb von 4 Wochen antretbar) finanziert. Beim Aussteigen wird dem Busfahrer dann gedankt. Und der freut sich darüber wirklich. Schon die Kleinsten Mitfahrer verlassen den Bus mit einem „Thanks a million“. Schön das diese Tradition weiter getragen wird. Und weil der Busfahrer nun so glücklich und fröhlich ist, lässt er dich auch gern abseits der offiziellen Haltestellen aus- und sogar einsteigen.

Ja..das alles ist Irland – ein Land nicht nur zum träumen schön, sondern einfach ein bißchen anders. :)

Du hast Lust auf mehr irische Eigenarten? Dann lies hier Teil 2: Irland. Noch immer anders.

Kategorie: Irland

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Weltentdecker, Erdbeerfee, Kolibri-Geschwirr- und Hundenasenstupser-Verliebte. Immer auf der Suche nach neuen Abenteuern und den schönsten Orten der Welt!

11 Kommentare

    • Ich bin auch irish by heart. Einmal gefangen vom Zauber – immer gefangen. :) Freue mich das andere es auch so sehen. Hahaha :)

    • Ich bin gerade erst am Anfang euren Blog zu lesen und wette ich werde auch so einige Male nicken und schmunzeln müssen. :D

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  2. Pingback: “Liebster Award” – unverhofft kommt oft

  3. Du triffst den Nagel auf den Kopf! Erwähnenswert ist auch die irische Vorliebe für Schalter: Schalter um die Steckdosen anzuschalten, Schalter um die Heisswasserzufuhr zu gewährleisten, Schalter um den Strom für den Herd anzuschalten bevor man den überhaupt einschaltet. Bevor ich meine Wohnung komplett in Betrieb nehmen konnte, war ich gefühlte 36 Stunden mit der Suche nach allen notwendigen Schaltern beschäftigt…

    • Janine sagt

      Ohhhh jaaaa…das hatte ich ja schon wieder fast vergessen. Da hast du sowas von Recht. :) Jetzt erinnere ich mich auch wieder, wie ich erst felsenfest davon überzeugt war, dass mein Ladegerät des Handys kaputt wäre. Dabei hatte ich nur einfach noch nicht den Schalter entdeckt damals..in den ersten Tagen. Achja Irland. Anders aber so schön :)

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  5. Du sprichst mir aus der Seele, ich liiiiiebe den irischen Akzent. Und ich hatte zum Beispiel gar nicht so viele Probleme. Vielleicht liegts am Südwesten, oder eher an den jungen Leuten. Okeay eher an den jungen. Die alten hab ich nämlich teilweise nicht nur schlecht, sondern gar nicht verstanden. Abends in den Pubs und vor allem mit meinem irischen Kumpek konnte ich mich immer ohne Probleme verständigen! Und das mit dem Trinkgeld wusste ich zum Glück schon vorher. Mutti hatte mich schon eingewiesen und so musste ich nicht peinlich zurückstecken ^^

    • Janine sagt

      Jetzt bin ich gerade irritiert was du mit dem Trinkgeld meinst?! ;)
      Aber der irische Akzent ist wirklich klasse. Habe ja bei dir im Blog schon geschrieben, dass mir auch dieses „Me Mum“ und so gefällt. Allein schon wie sie Pub und Dublin aussprechen ist zum verlieben.
      Als ich nach Irland gezogen bin, hatte ich die ersten 2 Wochen Probleme meinen 5-jährigen Gastjungen zu verstehen. Aber als ich den erstmal verstanden habe, hab ich alle verstanden. ;)

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